Die Fahrt nach Inari verläuft unspektakulär, ausser den vielen Rentieren, die uns immer wieder den Weg kreuzen. Wir übernachten in Kamaanen bewusst etwas nördlich der Stadt Inari, um möglichst wenig Lichtquellen in der Nähe zu haben. Gemäss Prognose soll nämlich der Aurora-Forecast gut sein und sich sogar eine Lücke in der Wolkendecke auftun, und so ein Aurora Spektakel wollen wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Wir geniessen ein Nachtessen in der Kota und bleiben lange wach, sehr lange wach….. Aber leider ohne Erfolg.


Am nächsten Morgen geht’s weiter nach Vardø, und mit jedem Kilometer spüren wir den Wechsel von der Taiga in die Tundra deutlicher. Die Lebensbedingungen hier oben sind harsch, Bäume gibt es kaum noch, dafür umso mehr Wind. An 210 von 365 Tagen regnet es zudem, und so ziehen natürlich auch wir weitere Regentage ein.










Wir entscheiden uns für eine Übernachtung im Hafen von Vardø, und statt schöner Landschaften oder wilder Tiere geniessen wir den Anblick eines Kreuzfahrtschiffs, das auf der Hurtigruten Richtung Kirkenes unterwegs ist.
Am Abend klart der Himmel auf, und so bekommt Nici den Auftrag, nachts zwischen eins und drei nach Nordlichtern Ausschau zu halten. Aber als Nici im Trainer vor dem Camper steht, sind keine Nordlichter da, dafür wieder ein Kreuzfahrtschiff, das mitten in der Nacht für 15 Minuten anlegt. Warum auch immer??? Aber gut, immerhin etwas entdeckt bei der Nachtwache 🚢.







Am nächsten Morgen geht’s als erstes zum Steilneset Memorial, dem Hexendenkmal von Vardø. Da reist man fast bis ans verlassene Ende von Europa und trifft dort auf ein Denkmal das vom Schweizer Architekt Peter Zumthor entworfen wurde. Gemeinsam mit der Künstlerin Louise Bourgeois hat er ein Denkmal erschaffen, das an 91 Menschen erinnert, die zwischen 1600 und 1692 in der Finnmark der Hexerei angeklagt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Eine 125 Meter lange Holzkonstruktion mit 91 erleuchteten Fenstern, eines für jedes Opfer, soll an dieses düstere Kapital erinnern.




Für uns gehts weiter nach Hamningberg, oder wie es sich selber nennt, das Ende von Europa. Ganz stimmt das nicht, sind wir doch noch rund 15 Kilometer vom östlichsten Punkt des geografischen Europas entfernt, wenn man Russland weglässt. Und ja, für alle, die denken, dass doch Zypern noch weiter östlich liegen muss, das stimmt zwar, aber Zypern liegt auf der anatolischen Kontinentalplatte und gehört somit geographisch zu Asien und nicht zu Europa (haha, wieder etwas gelernt). Für uns ist hier Endstation, egal ob wir am östlichsten Punkt sind oder nicht, denn vor uns liegt nur noch die unendliche Weite der Barentssee.










Der Hebst ist bereits vorbei hier in Nordosten von Norwegen und es wird immer kälter und verlassener und irgendwann endet auch unser Urlaub und so ist es nun also Zeit, die knapp 4,000 Kilometer die uns von unserem zu Hause trennen in Angriff zu nehmen.
Auf der Rückreise überqueren wir wieder die Grenze von Norwegen zurück nach Finnland, und dabei passiert etwas, das in unserem Zeitgefühl ein ordentliches Chaos verursacht. Wir reisen von Osten nach Westen, da würde man eigentlich erwarten, dass man die Uhr eine Stunde zurückstellt. Weil wir aber von der Mitteleuropäischen Zeit (CET), in der Norwegen liegt, zur Eastern European Time (EET), in der Finnland liegt, wechseln, müssen wir unsere Uhren stattdessen eine Stunde vorstellen. Das kommt daher, dass in dieser abgelegenen Ecke Europas Norwegen östlich um Finnland herumreicht. Aber egal, wir haben ja Ferien, welche Zeit es genau ist, spielt eigentlich keine Rolle.





Auf dem Rückweg halten wir am Fluss Tana, um ein paar Fotos von den schönen Sandbänken zu knipsen. Dass ein Fluss Sand anlagert, ist eigentlich nichts Besonderes, speziell ist hier aber das Ausmass. An manchen Stellen werden die Sandbänke bis zu 20 Meter breit, und mitten in der sonst so kargen, baumlosen Tundra wirken diese hellen Flächen fast schon fremd, fast ein bisschen wie an einen Südstrand verpflanzt.





Das schlechte Wetter verfolgt uns weiterhin, und wir schauen immer wieder neidisch auf die schönen Spätsommertage zu Hause in der Schweiz. Für den nächsten Tag ist aber endlich super Wetter und einigermassen hohe Aurora-Aktivität angesagt, also entscheiden wir, zwei Nächte in der Region von Ivalo zu bleiben und hoffen auf eine Belohnung. Vorallem, da abends um neun bereits erste schimmer der Nordlichter zu sehen sind. Nici steht mal wieder nachts um eins, um zwei und um drei auf, um nach Nordlichtern Ausschau zu halten, aber leider vergeblich, Nordlichter gibt’s wieder keine, und so geht unsere Reise am nächsten Morgen weiter der Heimat entgegen.











Wir fahren Richtung schwedisch-finnische Grenze, in die Gegend um Kolari. Unterwegs kommen wir am Skiweltcup-Standort Levi vorbei. Noch deutet hier gar nichts darauf hin, dass in rund einem Monat der Ski-Weltcup-Saisonauftakt im Slalom stattfindet. Das Gelände liegt im satten Herbstgrün da, nur ein eisiger Wind bläst uns um die Ohren.









Weiter geht’s in Richtung Kittilä und zumindest an der Tierli Spotting Front sind wir sehr erfolgreich. Leider keine Kamera zur Hand, nur Nici’s iPhone. Aber wer sucht, der findet….. (und für alle die nicht mehr so gut sehen, es sind drei Elche).

Unser Nachtlager schlagen wir in Kolari auf. Im Internet haben wir einen kleinen Parkplatz mit drei Stellplätzen gefunden, den man vorreservieren kann, und trotz Nebensaison haben wir das ausnahmsweise gemacht. Als wir ankommen, ist der Platz aber schon besetzt. Aber nicht von einem rücksichtslosen Camper, sondern von rund 15 Rentieren 🦌.
Wir finden dann doch noch einen kleinen Platz und machen uns natürlich sofort auf Fotojagd.













Irgendwann stellen wir fest, dass wir eigentlich mitten in einem Kampf zwischen zwei rivalisierenden Männchen stehen, und ziehen uns vorsichtshalber in den Camper zurück, um das Schauspiel von dort aus weiter zu beobachten. Einfach nur ganz grosses Kino 🎬.



