In der Zwischenzeit sind wir in Luleå angekommen, dem Tor zu Schwedisch-Lappland. Wir geniessen hier einen Tag Pause, denn das Wetter ist herrlich, und in Luleå gibt es viel zu entdecken. Die Stadt ist geprägt von Schwerindustrie, allen voran dem Stahlwerk SSAB, das mit seinen Hochöfen mitten im Stadtbild steht. Ein Grund dafür ist der Hafen, der zu den grössten Schwedens gehört und über den vor allem das Eisenerz aus den Minen von Kiruna und Malmberget verschifft wird.



Der Bottnische Meerbusen friert hier von Dezember bis Mai zu, weil er wegen der vielen Zuflüsse aus Finnland und Schweden so wenig Salz enthält, dass er fast schon ein Süsswassermeer ist. In normalem Meerwasser sinkt das abgekühlte Oberflächenwasser nämlich ab und wird durch wärmeres Tiefenwasser ersetzt, sodass es lange nicht gefriert. Im salzarmen Wasser bleibt das kalte Wasser an der Oberfläche liegen und friert viel früher. Zudem ist die Bottenwiek vor Luleå im Schnitt nur rund 40 Meter tief, es gibt also kaum Wärmespeicher, die das Wasser warm halten. Und damit auch im Winter die Rohstoffe in den Süden gelangen, ist hier der Heimathafen von Atle, Frej und Ymer. Imposant sind sie, die Eisbrecher, die in den Wintermonaten die Frachtschiffe begleiten und so die Fahrrinne vom dicken Eis befreien.



Aktuell sind wir weit weg von Eis im Bottnischen Meerbusen. Und wir geniessen somit die für nordische Verhältnisse warmen Temperaturen, radeln von den Eisbrechern weiter zum Flughafen von Luleå, den sich zivile und militärische Flieger gemeinsam teilen. Hier ist das Norrbotten-Geschwader der schwedischen Luftwaffe stationiert, das mit den Saab-Gripen-Kampfjets fliegt. Nach einigen Gripen-Starts und Landungen radeln wir wieder zurück zum Campingplatz.



Langsam aber sicher geht unsere Zeit im hohen Norden dem Ende entgegen, und noch immer trennen uns rund 3.000 Kilometer von der Heimat. Jetzt heisst es also, etwas grössere Tagesetappen in Angriff zu nehmen. Den Weg nach Hause nehmen wir ebenfalls durch Schweden und spulen somit einige hundert Kilometer auf der E4 ab. Und plötzlich entdecken wir das Firmengelände von Logosol. Zack ab der Autobahn und einen kleinen Zwischenstopp einlegen.




Logosol wurde 1989 von einem Landwirtssohn gegründet, der es nicht mehr mit ansehen konnte, wie gute Baumstämme im Wald zu Brennholz zerhackt wurden, und deshalb eine Maschine erfand, die daraus wertvolle Bretter sägt. Eigentlich wollen wir nur ein wenig den Showroom anguggen, aber ein freundlicher Mitarbeiter nimmt sich unser an, erklärt uns alle Maschinen im Detail und gibt uns am Schluss noch einiges an Merch-Artikeln mit. Und so verlassen wir mit strahlenden Augen das Gelände.
Als nächstes gibt’s einen kleinen Zwischenstopp bei Gränsfors (genau, wir brauchen noch mehr Äxte in unserer Sammlung), bevor wir bei Växbo Lin vorbeischauen, der letzten Fabrik Schwedens, die Leinen noch selbst spinnt, färbt und webt. Bei Växbo Lin gibt es wie bei Gränsfors Selbstführungen, aber es ist schon spät am Freitagnachmittag und so ist leider nichts mehr zu sehen. Und so entscheiden wir uns noch die verbleibenden Kilometer bis Uppsala unter die Räder die zu nehmen.




In Uppsala sind wir mitten in Schwedens ältester Universitätsstadt gelandet. Die Uni wurde schon 1477 gegründet und lockt heute rund 40.000 Studenten an. Bei etwa 215.000 Einwohnern ist also ungefähr jeder Fünfte ein Student. Wir sind früh auf den Beinen und können in aller Ruhe unseren ersten Kaffee geniessen, bevor um elf Uhr die ganze Stadt voller Studis ist. Gefühlt hat jeder von ihnen ein Fahrrad, und so ist nicht ganz klar, wovon es mehr gibt. Die Radwege sind etwa so breit wie bei uns die Autospuren, trotzdem wird’s gefühlt eng, und wir müssen selbst auf dem Radweg beim Richtungswechsel Handzeichen geben.
Natürlich schauen wir uns auch den Dom an, mit 118,7 Metern die höchste Kirche Skandinaviens und genau so lang wie hoch. Hier wurden viele schwedische Könige gekrönt und begraben, bevor Stockholm diese Rolle übernahm. Und noch ein bekannter Name hat Uppsala die Ehre erwiesen. Alfred Nobel, der Erfinder des Dynamits und Namensgeber der Nobelpreise, bekam hier 1893 die Ehrendoktorwürde der Universität.





Von Uppsala geht es weiter nach Linköping oder genauer gesagt ins Flygvapenmuseum, das Luftwaffenmuseum von Linköping. Es steht auf dem Gelände der Luftwaffenbasis Malmen, wo schon 1912 der «Flugbaron» Carl Cederström seine Flugschule gegründet hat. Die Sammlung reicht von den allerersten Flugzeugen über die Kampfjets Draken und Viggen bis zum modernen Gripen. Besonders eindrücklich, aber auch bedrückend ist das Wrack einer DC-3 im Keller. Sie wurde 1952 als Spionageflugzeug von einem sowjetischen MiG-15 über der Ostsee abgeschossen und erst 2003 nach aufwändiger Suche vom Meeresgrund geborgen. Das ganze Museum ist wunderschön und mit vielen Details gestaltet und auf jeden Fall einen Besuch wert, auch für alle, die sonst nicht so für Flugzeuge schwärmen. Das Beste ist aber der Grippensimulator und weil einige Besucher ihren gebuchten Slot kurzfristig abgesagt haben, kann Michi eine Stunde im Grippensimulator an seinen Flugskills arbeiten.







Rund eine Stunde südlich vom Luftwaffenmuseum schlagen wir ein letztes Mal in Schweden unser Nachtquartier in freier Wildbahn auf🦉.


Am nächsten Tag geht es wieder früh los, schliesslich trennen uns noch gut 350 Kilometer von Malmö, und Nici will unbedingt am Nachmittag noch etwas die Stadt erkunden. Und so cruisen wir mit gut 100 km/h auf der Autobahn unserem letzten schwedischen Ziel entgegen. Das Wetter ist so solala, aber Nici findet ein kleines Regenfenster, um sich kurz in der Innenstadt umzuschauen.





Und jetzt ist die Zeit gekommen, Schweden definitiv Tschüss zu sagen. Unser «Beni» steuert Vollgas Richtung Sylt, wo wir noch einige erholsame Tage anhängen und das Nichtstun geniessen.



Ja, wie soll es auch anders sein. Wind und Regen verfolgen uns natürlich auch hier. Aber wir lassen es uns nicht nehmen, mit dem Velo durch Westerland zu radeln, am Strand bei so viel Wind Drachen fliegen zu lassen 🪁, bis die Schnüre reissen, und einfach das Leben zu geniessen.












Aber auch die Tage gehen vorbei und so sagen wir jetzt:
«Hey, ab in den Süden, der Sonne hinterher…….» Und ob wir dann in der Schweiz in den Genuss von etwas (Sommer), Sonne, Sonnenschein ☀️ kommen oder eben doch der Regen einen Platz auf dem Beifahrersitz reserviert hat 🌧️, wird sich in der kommenden Woche zeigen.

