Nach einem letzten Cappuccino in unserem neuen Lieblingscafé in Halmstad am Meer geht es am Mittwoch los ins Landesinnere, Richtung Jönköping, genauer gesagt nach Huskvarna. Und der Name ist Programm. Huskvarna geht auf die alte Mühle «Husquernen» am Wasserfall zurück, die schon 1528 zur Verteidigungsfestung «Rumlaborg» gehörte, und seit 1689 wurde hier Waffen geschmiedet. Aus der Waffenschmiede wurde über die Jahrhunderte der Weltkonzern Husquarna durch die Produktion von Herden, Waschmaschinen, Nähmaschinen, Velos, Motorräder, und vielem mehr lange als IKEA für Haushaltsgeräte galt. Heute ist er vor allem noch für Kettensägen und Rasenmähroboter bekannt.





Im Museum bilden wir uns durch 400 Jahre Industriegeschichte und schauen uns vor allem die vielen mega coolen Gerätschaften an. Michis Herz schlägt beim Anblick all der orangen Gerätschaften höher.







Anschliessend gibt’s noch einen kurzen funktionalen Stopp in einer der angeblich schönsten Veloboutiquen Schwedens, und zack ist auch Michis Velo wieder bereit für neue Erkundungsfahrten. Ausgeschlagene Lager an den Pedalen lassen grüssen.
Fürs Nachtquartier haben wir uns auf Park4Night einen Stellplatz an einem See ausgesucht. Trotz Nebensaison so überlaufen, dass für uns kein Fleckchen mehr übrig blieb. Zum Glück wurden wir ein paar Meter weiter fündig, und seht selbst, was für ein Nachtquartier wir uns da geschnappt haben……


Ein ruhiger Platz oberhalb des See etwas abseits der Strasse nah am Naturschutzgebiet. In der Nacht wurde es richtig schön dunkel und ruhig… abgesehen von den Geräuschen der Tiere mit denen wir den Wald teilten.
Am folgenden Tag geht es weiter nach Gränna am Vätternsee. Bekannt für seine Süssigkeiten, genauer gesagt für den Polkagris, die rot-weissen Zuckerstangen, die 1859 von der Witwe Amalia Eriksson erfunden wurden, um sich und ihre Tochter über Wasser zu halten. Und auch wir unternehmen natürlich einen Bummel durch das herzige Dörfchen und füllen unseren Camper mit jeder Menge Polkagris.






Von Gränna geht es weiter Richtung Mälaren, genauer gesagt nach Västerås. Der Mälaren ist der drittgrösste See des Landes und reicht bis nach Stockholm. Wir bleiben aber erstmal in Västerås und lassen Stockholm aus. Unser Nachtquartier schlagen wir an bester Lage direkt am See auf. Gut, den Schweden macht das kühle Wetter nichts aus, und sie feiern nebenan noch lange Party, aber das hält uns nicht von unserer wohlverdienten Nachtruhe ab.


Am nächsten Tag steht die nächste Industrieperle Schwedens auf dem Programm, das ABB Research Center beziehungsweise ABB Robotics. Für eine Werksführung fehlen uns leider die nötigen Kontakte, macht aber nichts, wir schleichen selbständig übers Fabrikareal, und Michis Herz schlägt jedesmal höher, wenn er einen Roboter sieht. Seit 1974 hat ABB von hier aus über 400.000 Roboter in alle Welt verschickt, und einige davon stehen bei Michi an der ETH. Ganz so ABB wie früher ist das Gelände inzwischen aber nicht mehr, seit ABB 2020 seine Power-Grids-Sparte verkauft hat, prangt gleich nebenan gross der Schriftzug von Hitachi Energy.



Im Anschluss radeln wir noch in die Innenstadt von Västerås, landen in einem ehemaligen Industriequartier, das ähnlich wie die alte Giesserei in Oerlikon mit vielen jungen und trendigen Unternehmen neu belebt wurde, testen uns durch das Kaffeesortiment einer hippen kleinen Rösterei und essen im Stadtzentrum ein leckeres, gefühlt nur aus Zucker und Pekannüssen bestehendes Süssgebäck. Zurück am Camper geht’s dann auch schon bald weiter Richtung Norden.

Unser heutiges Tagesziel ist das Malingsbo-Kloten-Naturreservat, mit rund 700 Quadratkilometern eines der grössten Naturschutzgebiete Schwedens und eine der elchreichsten Gegenden der Welt. Auf dem Weg dahin noch ein kurzer Abstecher zu Tormek. Kennt hoffentlich jeder von euch 🙂 und falls nicht, ergeht es euch wie Nici, aber Michi musste hier natürlich kurz vorbeischauen und Schleifmaschinen anschauen. Gründer Torgny Jansson hatte 1973 schlicht keine Lust mehr, beim Schärfen seiner Holzwerkzeuge ständig jemanden zum Kurbeldrehen zu brauchen, und baute sich kurzerhand seine eigene Maschine. Mitnehmen können wir ausser ein paar Merch-Artikeln aber leider nichts, das Gewichtslimit des Campers ist schon lange ausgereizt.


Auf dem Weg nach Malingsbo-Kloten schlägt uns Google dann eine Route vor, die eine Minute kürzer ist als die eigentlich geplante und schwupps ist Michi auch schon auf die Abkürzung umgeschwenkt. Dass es sich dabei um über 40 Kilometer Gravel handelt, auf denen zwar rein rechtlich 80 km/h erlaubt wären, wir aber eher so mit 25 km/h unterwegs sind, hat Google bei seiner Zeitersparnis-Rechnung natürlich nicht berücksichtigt. Aber gut, Zeit haben wir ja, und geregnet hat es eh mal wieder. Die Erinnerungen an 1,000km Schotterpiste auf dem Dalton-Highway werden wieder wach. Unser Beni meistert die Übung super.

Den Samstag haben wir gemütlich im Naturreservat verbracht, und am Abend ging es dann auch schon los auf Elchsafari. Wir haben viel über die majestätischen Tiere gelernt. Aktuell streifen die männlichen Elche die flauschige Haut ihres Geweihs ab und verlieren dann über den Winter das ganze Geweih, da es nach der Paarungszeit schlicht keinen Nutzen mehr bietet. Im nächsten Frühjahr wächst ein neues nach, und zwar jedes Jahr etwas grösser. Bis zur Paarungszeit ist es wieder voll ausgebildet und hilft dann wieder die Konkurrenz bei der Suche nach dem besten Weibchen vom Leibe zu halten.




Unterwegs sind die Elche übrigens am liebsten in der Dämmerung oder in der Nacht, denn sie hören und riechen zwar hervorragend, sind aber auf Licht fast unempfindlich. Und so sind wir mit unserem Guide bei der Elchsafari mit dem Auto und dem Suchscheinwerfer auf die nächtliche Pirsch nach dem perfekten Schnappschuss los. Wir waren super erfolgreich und konnten neun Tiere erspotten. Jetzt, wo wir wissen, wann die Tiere unterwegs sind und auf welche Distanz wir sie suchen müssen, geht es hoffentlich auch für uns künftig einfacher. Obwohl wir ja bereits vorher ganz allein unseren ersten Elch gesehen haben.











Von Malingsbo-Kloten geht es in nordöstlicher Richtung weiter, und bei Gävle haben wir den Bottnischen Meerbusen erreicht. Und für alle, die wie wir als Kinder immer geglaubt haben, Läkerol-Zältli seien eine ureigene Schweizer Erfindung, äh nein, müssen wir euch leider enttäuschen: Die „Zältli“ kommen seit 1909 direkt aus Gävle, erfunden von einem gewissen Adolf Ahlgren.


Noch ein paar Kilometer weiter nördlich von Gävle schlagen wir unser heutiges Nachtquartier auf, und einmal mehr checken wir mit Seesicht ein. Kurz bevor die Dunkelheit einbricht, brechen wir mit unseren Gravelrädern zum Elch-Suchen auf. Doch Kälte, Müdigkeit und Dunkelheit treiben uns wieder in den Camper zurück, bevor wir einen Elch finden können. Jetzt hoffen wir einmal mehr, dass wenigstens unsere Wildtierkamera, die wir in der Nähe des Nachtquartiers platziert haben, etwas entdeckt.


